Bitte, Deutschland, bleib sachlich. Das habe ich mir gehofft, als ich erstmals über die Affäre-Guttenberg erfahren habe: eine Doktorarbeit, die widerholte Plagiate enthält, ist mindestens eine Frechheit. Obwohl inzwischen sich festgestellt hat, dass 70% der Doktorarbeit abgeschrieben ist, sind aber die Verteidiger des Verteidigungsministers sofort gegen seine Kritiker mit der Behauptung los gegangen, es geht hier nicht um Fakten, sondern nur um «eine Schmutzkampagne schlimmsten Ausmaße» gegen den jüngsten deutschen Politstars.
Natürlich wollen die Oppositionsparteien diese günstige Gelegenheit nutzten, um „the dark side of Guttemberg" zu zeigen und beweisen, dass selbst seine politische Stern nicht von gravierenden Fehlern ist. Natürlich ist es auch, dass die Kanzlerin und die regierenden Parteien den Freiherr im Schutz nehmen. Die anfängliche Negierung dessen aber, was offensichtlich ist, nämlich, dass es in Guttembergs Doktorarbeit um eine systematische Plünderung des anderen Schaffens handelt, sowie die Entscheidung Guttembergs, sich erstmals nur vor ausgewählten Journalisten zu äußern, seine gravierenden akademischen Fehler zu vermindern und eigentlich zu leugnen, hat mich leider an die Praxis des italienischen Regierungschefs erinnert, der gewohnt ist, jede Kritiker zum Schweigen zu bringen, indem er sie Unredlichkeit unterstellt und freie Hand für sich verlangt, denn es gibt für ihn immer Wichtigeres, als sich mit den Kritikern ernsthaft auseinanderzusetzen.
Zum Gluck handelt es hier aber (nur) um einen Doktortitel und keine zu enge Beziehungen mit Gaddafi oder mit mehreren teilweisen minderjährigen Prostituierten, die Art und Weise aber, wie man diesmal mit den Kritikern umgegangen ist, hat mir aber einen bitteren Beigeschmack gelassen.
Muss es sein, dass auch in der Bundesrepublik Deutschland, wenn es um eine charismatische Persönlichkeit geht, was Karl-Theodor ohne Zweifel ist, fangen seine Fans mit der Sachlichkeit eines Fußballanhängers zu argumentieren? Ist der Styl der deutschen Politik so schlicht und nüchtern, nur, weil es bisher in der Berliner Republik keinen Raum für Matadoren gab? Um Gotten Willens hoffentlich nicht. Denn die allzu oft kritisierte Langeweile der politischen Szene Deutschlands ist meines Erachtens genau seine untergeschätzten aber goldene Kraft. Jenseits einer Beurteilung seiner politischen Inhalten, als Italiener weiß ich nämlich sehr genau die norddeutsche Trockenheit einer Angela Merkel zu schätzen, ja mich dafür zu begeistern.
Zum Gluck hat dann aber Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg nachgegeben. Mit seiner Entscheidung, doch auf den Doktortitel zu verzichten, hat er den Druck auf akademische Erlichkeit nicht verantwortungslos widerstanden, sondern sich besser als viele seine Anhänger gezeichnet, die ihm unkritisch glauben und jubeln, und die Konsequenzen seines Handelns gezogen.
Ich würde mich übrigens nicht wunder, wenn er als politischer Erfolgmagnet und gekonnter Manager von sich selbst - was er auch nach diesem Debakel ist und bleibt -, sich am Ende im Stande zeigen würde, diese schwere Entscheidung zu seinen Gunsten umzuwenden.


