Interview mit Johannes Blank, UAMO-Veranstalter (2009)
Ein weiteres Gespräch über das UAMO-Festival für zeitgenössische Kunst in München
Wie kam die Idee zu UAMO?
Die Idee kam aus der Not heraus, dass es in München keine Plattform für Künstler außerhalb der vorhandenen Kunstinstitutionen und Galerien gab. Natürlich gab es ab und zu ähnliche Veranstaltungen, aber keine Kontinuität, deswegen wurde überlegt, das UAMO-Festival ins Leben zu rufen. Zum ersten Mal haben wir es im Jahr 2004 veranstaltet. Nach einer zweijährigen Pause wegen Platzmangel wurde das zweite Festival in den Kunstarkaden, die seitdem das Kulturreferat für die Veranstaltung zur Verfügung stellt, veranstaltet. Heuer ist die vierte Edition des UAMO-Festivals.
Wieso „UAMO“?
Der Name ergab sich aus der Überlegung, dass die Mitglieder des Vereins alle in einer Großstadt leben und sich mit der urbanen Realität auseinandersetzen. So ergab sich die Abkürzung für „Urban Art and Media Organisation“.
Wie läuft der Ausschreibungsprozess?
Die Ausschreibung erfolgt per Internet, damit sich nicht nur Münchener Künstler, sondern auch Interessierte aus anderen Ländern und Kulturen bewerben können. Durch die Verbindung des UAMO e.V. zu Universitäten in den Niederlanden, USA und Osteuropa kamen letztes Jahr viele Bewerbungen von dort. Die Bewerberzahl lag 2009 bei ca. 250. Aus Kostengründen zeigen wir viele ausländische Beiträge innerhalb eines Video- und Fotoscreenings. Die Exponate werden durch ein demokratisches Verfahren von den Teilnehmern des UAMO e.V. gewählt. Die Jury besteht aus Künstlern, Grafikern und Veranstaltern aus München.
„Perforation“, „Cheap like wow“… wieso diese absurden Themen?
Diese entstehen durch eine gezielte Diskussion der Vereinsmitglieder, die sich einmal im Jahr deswegen zusammensetzen. Die Absurdität kommt vielleicht gerade aufgrund der unterschiedlichen Blickwinkel der Mitglieder zustande. Es ist jedes Jahr wieder reizvoll, solche Themen zu finden…
...und zu interpretieren...
Ja. Die Themen sollen von den Teilnehmern möglichst aktuell bedient werden können.
Wie aktuell ist denn das Thema „Perforation“?
Die Perforation ist immer schon vorhanden, gerade in Zeiten der Krise. Scherz beiseite – es ist natürlich spannend zu sehen, was für Arbeiten zu solchen Themen geschickt werden und wie sich die Leute von Außerhalb mit diesem Thema auseinandersetzen. Wir sind auf das Thema „Perforation“ gekommen, weil wir gedacht haben, dass bestimmte Prozesse, die jeder macht, darin bestehen, Grenzen zu brechen oder sie zu schaffen. Wir fanden es interessant, dass man verschiedene Blickwinkel auf Grenzen hat, haben kann, und dass diese Grenzen auch immer perforiert und perforierbar sind.
Welches Publikum zieht das UAMO-Festival an?
Die Bewerber sind oft jung, da der Verein Kunsthochschulen aus der ganzen Welt anschreibt. So fühlt sich auch das junge Publikum besonders angesprochen. Letztes Jahr war übrigens überraschend, dass sehr viele Teilnehmer aus dem europäischen Raum auf eigene Kosten extra nach München gereist sind, um sich vor Ort ein Bild zu schaffen und sich mit den Künstlern auszutauschen. Es kamen Besucher aus Großbritannien, aus den Niederlanden und aus verschiedenen anderen Ländern. Die Resonanz war also sehr positiv.
Hat sich das UAMO von anderen Festivals inspirieren lassen?
Es gibt natürlich sehr viele bereits langjährig etablierte Kunstfestivals, die auf eine ähnliche Weise funktionieren. Wir verfolgen diese mit Interesse, z. B. die Ars Electronica in Linz, die Transmediale in Berlin, das Europäische Medienkunst-Festival in Osnabrück. Jede von diesen Veranstaltungen erhebt aber natürlich Anspruch an Originalität. Das UAMO-Festival auch.
Was ist eigentlich für Dich Kunst?
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